Ride-Sharing?

Liebe Lesende!

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Irgendwie kam das sogenannte „Leben 1.0“ dazwischen… Aber die Hauptsache ist ja dass wir uns heute wiedersehen.

In Hamburg, der meinem Städtchen am nächsten liegenden Großstadt, ist Anfang April „MOIA“ gestartet. Mit gold-schwarzen Elektro-Kleinbussen wird man da durch die Straßen gesummt, im Idealfall sollen sich mehrere (bis zu sechs) Fahrgäste, auch mit unterschiedlichen Routen, das Fahrzeug teilen. Daher der Begriff Ride-Sharing. Man teilt sich nicht das ganze Auto und fährt selbst wie beim Car-Sharing, sondern eben nur die eine Fahrt – den „Ride“. Erklärtes Ziel von MOIA ist die Entwicklung nachhaltiger Mobilität.

Offenbar lief das Ganze gut an, in den ersten zwei Wochen gab es deutlich mehr Anfragen als erwartet, alle 100 Fahrzeuge der Startflotte waren angeblich ausgebucht. Zuerst wird nur ein Teil des Stadtgebietes abgedeckt, später soll es vergrößert werden und am Ende sollen mehr als 500 Fahrzeuge fahren. Dass das Verwaltungsgericht Hamburg vor einigen Tagen vorerst eine Obergrenze bei 200 Fahrzeugen einzog, weil ein Taxifahrer gegen die Genehmigung für MOIA geklagt hatte, wollen wir hier mal kurz vernachlässigen. Hier wird man sehen wie es weitergeht.

Schon seit einiger Zeit gibt es außerdem hier in der Nähe „ioki“ im Testbetrieb. Mit ebenfalls elektrischen Fahrzeugen bieten hier die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein an, Fahrgäste an Haltepunkten abzuholen und zur Haltestelle von Bus oder Bahn zu fahren. Oder umgekehrt.

Weitere Details könnt Ihr natürlich jederzeit im Internet nachlesen.

Was mich interessiert – ist das ein sinnvolles Angebot oder nicht?

Mich selbst habe ich dabei beobachtet, das sofort ausprobieren zu wollen. Im Moment noch kein Thema, da das Servicegebiet noch nicht bis zu uns reicht.

Ich habe interessehalber schon mal ein paar Bewertungen der ersten MOIA-Fahrgäste gelesen. Wie es immer so ist mit Bewertungen – manche schimpfen, manche loben. Aber warum fahren die Leute mit MOIA? Ich denke, viele finden es einfach klasse, etwas neues auszuprobieren. Manche wollen vielleicht auch das Startangebot nutzen – im Moment kostet jede Fahrt nur 5 Euro (später liegen die Preise irgendwo zwischen Öffis und Taxi).

Interessant fand ich, dass manche schrieben, im Vergleich zu Bus und Bahn sei das ein so tolles Angebot und viel komfortabler. Nach Möglichkeit würden sie jetzt nur noch MOIA und nicht mehr Bus und Bahn fahren. Das ehrlich gesagt hat mich stutzig gemacht. Nicht überrascht, aber: Wenn das nachhaltige Mobilität sein soll – dann sollte sie doch Bus und Bahn keine Konkurrenz machen! Diese sind schließlich noch nachhaltiger, da einfach mehr Leute dasselbe Fahrzeug benutzen. Wenn MOIA den Öffis die Kunden abzieht, statt die Autofahrer aus ihren Autos zu holen, wäre es aus meiner Sicht nicht sinnvoll, das weiter zu verfolgen. Noch schlimmer wäre es wenn die Leute vom Fahrrad auf MOIA umsteigen würden, einfach weil es sich so umweltfreundlich anhört.

Auch ich habe gemerkt, dass ich gleich überlegte, wohin ich damit mal fahren könnte. Zum Teil bestimmt einfach Neugier, aber auch mich verlockte der erhöhte Komfort im Verhältnis zu Bus und Bahn. Die Hemmschwelle, stattdessen ein MOIA zu benutzen, war gefühlt geringer als das Auto zu nehmen. Man kann es sich ja so schön grün reden. Das fand ich dann erstmal doof, bin ich doch ziemlich stolz darauf, eher Bus und Bahn (oder eben Fahrrad) als Auto zu fahren.

Nach längerem Nachdenken und auch Austausch mit interessierten Gesprächspartnern bin ich jedoch zu dem (sicherlich nicht gerade neuen ;o) Schluss gekommen, dass es eine Mobilitätswende, Verkehrswende oder wir man es auch nennt, nicht von einem Tag auf den anderen funktioniert und man ja irgendwo anfangen muss. Wenn man sich also mal vorstellt, dass es später vielleicht Bahnen und Elektrobusse als Öffis gibt, die aber weniger kosten als heute, und auf der anderen Seite Autofahren viel unattraktiver geworden ist (z.B. durch höhere Kosten oder Nachteile im Straßenverkehr), könnte ich mir vorstellen, dass das Ride-Sharing gut da reinpasst als Mittelweg.

Wenn ich meinen eigentlichen Wunsch (dass nämlich viel mehr Leute viel schneller viel krassere Gedankenwendungen vollziehen und sich nachhaltiger verhalten) schon etwas langsamer erfüllt bekomme als ich es gern hätte – ist es doch immerhin gut dass sich etwas tut.

Ich bin keine Expertin. Einfach nur so meine Gedanken. Vielleicht fällt mir auch morgen noch mehr dazu ein.

Was meint Ihr? Wie findet Ihr sowas? Habt Ihr es schon mal ausprobiert?

Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende!

Eure auch ohne Motor meistens ziemlich mobile

Birte

 

Diesen Beitrag verlinke ich bei Einfach Nachhaltig Besser Leben, weil ich finde, dass immer mehr Leute sich über alternative Mobilität Gedanken machen müssen – das Thema muss noch präsenter werden.

Bild von Tú Anh von Pixabay

2 Kommentare zu „Ride-Sharing?

  1. Hallo.
    Schön, dass Du wieder schreibst. 🙂
    Ich kenne das. Mein Blog ruht auch schon mal aus. Wenn ich dann wieder Energie gesammelt habe, geht es weiter.
    Ich lese hier gerne mit und freue mich über jeden neuen Beitrag, da ich sehr sehr ähnlich denke, empfinde und handle.
    Aaaaaber:
    Ich kann verstehen, dass Du mit Werbung auch ein bisschen dazu verdienen möchtest. Nur finde ich es gerade auf einem Blog wie diesem (bei vielen anderen ist mir das auch schon unangenehm aufgefallen…), wo es um Minimalismus und Nachhaltigkeit geht, unpassend, dass Werbung für Flugreisen/Australien gemacht wird…..
    Ich weiß nicht, ob man da nicht etwas sensibler selektieren kann. Oder geht das gar nicht? Ich kenne mich damit nicht aus. Kann man als Blogbetreiber nicht selbst bestimmen, welche Werbung gezeigt wird?
    Abgesehen davon, dass ich Werbung eh ablehne, fände ich es z. B. gut, wenn regionale und/oder nachhaltige Produkte und Dienstleistungen beworben würden und nicht solche Fernreisen…
    Nur so’n Gedanke von mir.
    Ansonsten finde ich Deinen Blog toll. Mach weiter so.
    Liebe Grüße,
    Tanja

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  2. Liebe Tanja, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich dass Du hier gerne liest!
    Danke auch für Deine Anmerkung zur Werbung.
    Tatsache ist dass ich mit dieser Werbung keinerlei Geld verdiene, sondern sie wird von WordPress eingespielt weil ich meinen Blog mit dem kostenfreien Angebot von WordPress betreibe. Da stellen die dann Werbung rein und man hat keinerlei Einfluss auf Umfang oder Inhalt. Ich sehe nicht mal, welche es ist, denn wenn ich selbst meine Seite besuche werden keine oder nur Platzhalter eingeblendet.
    Wie Du Dir vorstellen kannst ist das für mich ein echtes Problem, gerade wenn es auch noch um Fernreisen geht oder zB Autos…. Der einzige Weg für mich, diese Werbung wegzukriegen, ist monatlich für die Nutzung von WordPress zu bezahlen. Tatsächlich habe ich das auch schon in Betracht gezogen, nur läppert es sich schon zusammen. Aber da ich es da eindeutig mit den Minimalisten halte („Advertisements suck“) werde ich nun nochmals drüber nachdenken. Ich denke ich schreibe vielleicht auch mal einen Beitrag dazu…. vor allem da ich noch gar nicht drauf gekommen war, der Leser könne vermuten dass ich selbst Geld mit Werbung für Fernreisen verdiene *schockschwerenot*….
    Danke also auch in dieser Hinsicht für den Hinweis.
    Ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende!
    LG
    Birte

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